Wo sahen die Wiener früher Filme?

Heutzutage gehen die Wienerinnen und Wiener ins Kino oder schalten den Fernseher ein, um ihre Lieblingsfilme zu sehen. In der Vergangenheit, als die Filmindustrie noch in den Kinderschuhen steckte, war alles weitaus komplizierter. Wie und wo die Menschen damals Filme sahen, erfahren Sie hier auf viennatrend.eu.

Alles begann mit Bildern

Ende des 19. Jahrhunderts gab es ein Gerät, mit dem 25 Personen gleichzeitig eine Reihe von Bildern betrachten konnten. Dieses Gerät wurde als „Kaiserpanorama“ bezeichnet. Der Vorgang des Betrachtens wirkte von außen betrachtet etwas seltsam. Entlang einer runden Wand waren Stühle aufgestellt, und die Zuschauer bewegten sich im Kreis, wechselten die Plätze und blickten durch kleine Fenster, in denen die Bilder wechselten. Gezeigt wurden hauptsächlich Naturlandschaften und Tiere. Bald darauf wurden die „lebenden Bilder“ erstmals im Wiener Wurstelprater präsentiert.

Der erste Kinobesuch

Die erste öffentliche Filmvorführung in Österreich fand 1896 in Wien statt. Mit dem Cinématographe der Brüder Lumière wurden Filme von nur wenigen Minuten Länge gezeigt. Diese kostenpflichtigen Vorführungen gewannen rasch an Beliebtheit in der Bevölkerung.

Die Cinématographen wurden meist auf Jahrmärkten aufgestellt und waren Teil von Wanderkinos, in denen vorwiegend Komödien und Dokumentarfilme gezeigt wurden. Die erste Filmvorführung fand 1897 in Linz unter der Leitung von Johann Bläser statt. Sie wurde in einem Gebäude abgehalten, das damals das Hotel „Schiff“ war (heute „Central“).

Im Jahr 1907 wurde in Wien der „Reichsverband der österreichischen Kinematographenbesitzer“ gegründet, ein freiwilliger Zusammenschluss zur Vertretung der Interessen der Filmindustrie. 1908 begann die österreichische Filmproduktion; der erste österreichische Spielfilm, der gezeigt wurde, war „Von Stufe zu Stufe“.

Im Jahr 1909 setzte in Wien ein regelrechter „Kinoboom“ ein. Zu dieser Zeit gab es in der Stadt bereits 74 Kinos. 1910 drehte die neu gegründete „Erste Oesterreichische Kinofilms-Industrie“ die Beerdigung des Bürgermeisters Karl Lueger. Der Film wurde in 22 Wiener Kinos gezeigt.

Es ist bemerkenswert, dass das erste Kino in Österreich 1902 in Wien eröffnet wurde. Damals ersetzte der „Münstedt Kino Palast“ die „Singspielhalle“ im Wiener Prater.

Vier Jahre später gab es in Wien bereits 12 feste Kinos. Nach 1915 zählte die Hauptstadt über 100 Kinos.

Erwähnenswert ist auch, dass alle Filmvorführer eine Prüfung ablegen mussten, ohne die sie keine Filme öffentlich zeigen durften. Die Prüfungen fanden im ehemaligen „Technischen Gewerbemuseum“ in der Währingerstraße statt.

Kinos im Ersten Weltkrieg

Auch nach Beginn des Ersten Weltkriegs besuchten die Menschen weiterhin die Kinos. Dort wurden ihnen Kriegswochenschauen von der Ostfront Österreich-Ungarns gezeigt. In dieser Zeit wurden die Bauvorschriften für die Errichtung neuer Kinos verschärft. Aus diesem Grund mussten viele Kinos schließen. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs waren in Wien 154 Kinos in Betrieb.

Im Jahr 1929 erlebten die Wiener den ersten Film mit Ton. Nach diesem Ereignis wurden die meisten lokalen Kinos auf Tonfilm umgerüstet. Der erste Tonfilm in Spielfilmlänge wurde am 21. Jänner 1929 im Wiener Central-Kino gezeigt. Dem Publikum wurde der Film „The Jazz Singer“ vorgeführt, bei dem der Ton synchron zum Film von einer Schallplatte abgespielt wurde.

Das Kino im Zweiten Weltkrieg

In dieser Zeit wurden alle Kinos, die sich in jüdischem Besitz befanden, „arisiert“ und von den deutschen Behörden übernommen. Dazu zählten unter anderem das „Kolosseum-Kino“ und Kinos in Bad Ischl.

1944 wurde ein Großteil der Kinos in der Stadt durch Bombenangriffe zerstört. Nach dem Krieg wurden alle Mitarbeiter der Filmindustrie „entnazifiziert“.

Nach einiger Zeit begann sich die Filmindustrie wieder aktiv zu entwickeln. Die zerstörten Kinos wurden wiederaufgebaut, und neue Lichtspielhäuser mit moderner Ausstattung wurden eröffnet. Infolgedessen besuchten die Wienerinnen und Wiener diese wieder mit großer Freude.

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