Das Kino nimmt einen wichtigen Platz im kulturellen Leben Österreichs ein und verbindet reiche filmische Traditionen mit modernen Tendenzen der Weltkunst. Eines der Schlüsselereignisse, das die Kinokultur des Landes prägt, ist das internationale Filmfestival «Viennale», das jährlich in Wien stattfindet. Dies ist nicht nur ein Festival, sondern eine wichtige Plattform für die Präsentation von Autorenkino aus aller Welt. Es zieht Regisseure, Filmkritiker und Zuschauer an, die innovative Ansätze in der Filmkunst kennenlernen möchten. Mehr dazu auf viennatrend.eu.
Ein wenig zur Gründungsgeschichte des Festivals
Das Wiener Filmfestival «Viennale» hat eine sehr interessante Geschichte. Im Nachkriegsösterreich, das versuchte, seine kulturelle Größe wiederherzustellen, stand der Film lange Zeit im Schatten der traditionellen Künste. Theater und Oper nahmen eine zentrale Stellung in der Kulturpolitik ein, während das Kino als reine Unterhaltung wahrgenommen wurde und von Intellektuellen kaum ästhetischer oder intellektueller Wert beigemessen wurde. Die damalige Filmproduktion in Österreich bestand hauptsächlich aus seichten Komödien, Touristenfilmen und musikalischen Revuen, was die Entwicklung des ernsthaften Kinos nicht förderte.
Anfang der 1960er Jahre beschloss eine Gruppe von Enthusiasten – der Journalist Sigmund Kennedy, der Kritiker Fritz Walden und der Regisseur Edwin Zbonek – die Situation zu ändern. Sie strebten danach, eine Plattform für die Vorführung von hochwertigem internationalem Kino zu schaffen. Im Jahr 1960 wurde diese Initiative in das erste Filmfestival unter dem Namen «Erste Wiener Filmwoche» umgesetzt. Es war eine bescheidene Veranstaltung ohne Finanzierung, die nur 18 Filme aus verschiedenen Ländern umfasste.

Dank der aktiven Berichterstattung durch die Gründer selbst erhielt das Festival unerwartet positive Rückmeldungen von den Medien. 1962 erhielt die Veranstaltung den Namen «Viennale» und wurde in das Programm der «Wiener Festwochen» aufgenommen, doch die Fülle an Veranstaltungen behinderte ihre vollwertige Entwicklung. Daher wurde die «Viennale» bereits 1963 zu einem unabhängigen achttägigen Filmforum, dessen Schwerpunkt auf Komödien lag, die in der Urania gezeigt wurden.
Die eigentliche konzeptionelle Transformation des Festivals fand 1968 statt, als Otto Wladika die Leitung übernahm. Er führte die Tradition ein, jedes Jahr ein Motto zu wählen, das den Inhalt und die Ausrichtung der Veranstaltungen bestimmte. Unter dem Motto «Filme, die uns nie erreichten» präsentierte das Festival filmische Meisterwerke, die zuvor nicht in den österreichischen Kinos zu sehen waren. Dies war der Beginn einer neuen Ära für die «Viennale» – seitdem hat sie sich zu einer der angesehensten europäischen Plattformen für die Präsentation von innovativem und unabhängigem Kino entwickelt.

Das einzigartige Programm des Festivals
Jeden Herbst verwandelt sich Wien in einen Magneten für Filmfans aus aller Welt, denn hier findet die «Viennale» statt – Österreichs prestigeträchtigstes Filmfestival. Es ist eine Veranstaltung mit besonderem Charakter, die eine weltoffene Atmosphäre, internationale Ausrichtung und echte Filmkunst fördert, weit entfernt von kommerziellen Produktionen.
Die Hauptbesonderheit des Festivals ist sein einzigartiges «Viennale»-Programm. Alle Filme werden nach Einladung für die Auswahl eingereicht, was eine hohe Qualität und Übereinstimmung mit dem Konzept des Festivals garantiert. Die Zuschauer können nicht nur die neuesten filmischen Werke aus aller Welt sehen, sondern auch nationale Premieren, Autorenfilme, Dokumentarfilme, experimentelle Projekte und sogar Retrospektiven von Kultwerken.
Die «Viennale» in Wien ist mehr als nur das Ansehen von Filmen. Es ist ein Raum für den Dialog zwischen Filmschaffenden und Publikum, in dem Filmvorführungen neben Diskussionen, kreativen Treffen und Gala-Veranstaltungen stattfinden. Die Atmosphäre des Festivals ist von einer intellektuellen Energie geprägt, die zur Diskussion über soziale, politische und kulturelle Aspekte der modernen Filmkunst anregt.

Das Festivalprogramm umfasst in der Regel Hauptvorführungen, bei denen Spiel-, Dokumentar-, Kurz- und Experimentalfilme verschiedener Genres und Formate gezeigt werden. Einen besonderen Platz nehmen die Retrospektiven ein – spezielle Programme, die herausragenden Regisseuren, Schauspielern oder bedeutenden filmischen Phänomenen gewidmet sind. Zudem finden Diskussionen und öffentliche Gespräche statt, bei denen die Zuschauer mit Regisseuren, Schauspielern und Filmkritikern ins Gespräch kommen und ein tieferes Verständnis für die Welt des Kinos erlangen können. Gala-Veranstaltungen und Feierlichkeiten runden das Programm ab und verleihen dem Festival Eleganz und die Atmosphäre eines weltweiten Filmfestes.
Hinsichtlich der Regeln und Besonderheiten der Filmauswahl für das Festival gilt:
- Filme, die ins Programm aufgenommen werden, dürfen an anderen Filmfestivals teilnehmen, aber ihre Ausstrahlung in Österreich ist erst nach der «Viennale» gestattet.
- Kurzfilme (bis zu 40 Minuten) werden von österreichischen Regisseuren angenommen.
Für diejenigen, die das Festival besuchen möchten, empfehlen die Organisatoren, sich im Voraus zu registrieren, um problemlos «Viennale»-Tickets online kaufen zu können.

Filmpreise und Jury der «Viennale-2024»
Der «Wiener Filmpreis» ist eine prestigeträchtige Auszeichnung, die von der Stadt Wien finanziert und im Rahmen der «Viennale» verliehen wird. Im Jahr 2024 wurde er an den besten österreichischen Spielfilm des vergangenen Jahres vergeben. Der Preis wurde von der Kulturabteilung der Stadt finanziell unterstützt und erhielt zusätzlich ein Geldsponsoring vom Hotel «The Harmonie Vienna». Neben der Auszeichnung für den besten österreichischen Film umfassen die «Vienna Film Awards» auch einen Sonderpreis der Jury. Beide Auszeichnungen sind mit Geld- und Sachpreisen dotiert.
Die Jury der „Vienna Film Awards“ setzte sich aus herausragenden Persönlichkeiten aus Film und Kunst zusammen. Ihr gehörten an: Alessandra Thiele, stellvertretende Direktorin des Österreichischen Filmmuseums, Sebastian Höglinger, unabhängiger Kurator und ehemaliger Co-Direktor der „Diagonale“, sowie Lena Rosa Händle, Fotografin, Künstlerin und Lehrende. Die Verleihung des Wiener Filmpreises fand während der feierlichen Abschlusszeremonie der Viennale am Abend des 29. Oktober 2024 statt.

Welche weiteren Preise gibt es auf dem Festival?
Die 1930 gegründete Internationale Föderation der Filmkritiker «FIPRESCI» fördert journalistische Ethik und schützt die beruflichen Interessen ihrer Mitglieder. Filmkritiker aus aller Welt bilden kleine Jurys auf verschiedenen Filmfestivals, um die besten Filme auszuwählen und den prestigeträchtigen «FIPRESCI-Preis» zu verleihen. Auf der «Viennale» wird die Auszeichnung, wie auch bei anderen Filmfestivals, traditionell an die ersten und zweiten Filme junger Regisseure vergeben, um ihre innovativen Ansätze und ihr filmisches Talent zu würdigen.
Auf dem Filmfestival wird der beste Film nicht nur von einer Fachjury, sondern auch vom Publikum durch Abstimmung bestimmt. Jener Film, der noch keinen Verleih in Österreich hat, erhält den speziellen Publikumspreis der Zeitung «DER STANDARD». Neben der Anerkennung erhält der Gewinnerfilm die großartige Gelegenheit, von einem breiten österreichischen Publikum gesehen zu werden. Denn bei erfolgreicher Suche nach einem Verleih stellt die Zeitung «DER STANDARD» kostenlosen Werbeplatz zur Förderung des hochwertigen Kinos zur Verfügung.

Die «Erste Bank» ist seit vielen Jahren Hauptsponsor der «Viennale» und verleiht im Rahmen dieser Zusammenarbeit den «Erste Bank Filmpreis». Diese vom Bankhaus ins Leben gerufene und gesponserte Auszeichnung zielt darauf ab, das österreichische Kino zu würdigen und zu unterstützen. Eine unabhängige Jury wählt die Gewinner aus den auf dem Filmfestival präsentierten österreichischen Filmwerken oder Filmen von österreichischen Filmschaffenden aus. Die Preisträger erhalten die Möglichkeit, ihre Werke im renommierten Filmarchiv «Anthology Film Archives» zu präsentieren.
Die «Viennale» ist ein Festival für diejenigen, die das Kino als eine Kunst schätzen, die den Horizont des Denkens erweitern kann. Sie scheut sich nicht, über die Grenzen des traditionellen Kinos hinauszugehen, regt zum Nachdenken an und inspiriert.



