Der Name Leon Askin ist weit über die Grenzen Wiens hinaus bekannt. Er war eine angesehene Persönlichkeit in Hollywood. Der Mann war ein beliebter Theaterschauspieler und Regisseur. Mit seinem professionellen Schauspiel auf der Bühne eroberte er die Herzen der Zuschauer im Sturm. Über das Leben und Schaffen dieses talentierten Mannes sprechen wir hier viennatrend.eu.
Erste Schritte in der Schauspielerei

Leon wurde am 18. September 1907 in Wien in eine jüdische Familie geboren. Seine Eltern hatten eine bescheidene gesellschaftliche Stellung, weshalb der Junge auf sich allein gestellt war. Die Mutter des Jungen war kunstbegeistert, besuchte sehr gerne Konzerte und nahm ihren Sohn oft mit. Auf diese Weise weckte sie in ihm die Liebe zum Theater. Von früher Kindheit an träumte Leon davon, Schauspieler zu werden, und nahm daher oft an Schulaufführungen teil.
Im Jahr 1925 sprach der junge Mann bei dem bekannten Schauspieler des „Theaters in der Josefstadt“, Hermann Romberg, vor. Dieser schätzte seine Darbietung sehr und bat den Direktor der Wiener Staatsakademie für darstellende Kunst, Askin zum Studium zuzulassen. Die finanzielle Lage seiner Familie war jedoch so schlecht, dass der Junge die Akademie nicht besuchen konnte. Sein Vater schlug ihm vor, Abendkurse an der Wiener Volksakademie zu besuchen, womit er einverstanden war. So erhielt Leon Privatunterricht bei Hans Thimig.
Am 25. Mai 1926 wurde Leons Traum wahr – er spielte seine erste Rolle im Stück „Schrei aus der Strasse“ auf der großen Bühne des Theaters „Panspiele“.
1927 wurde Askin Mitglied der „New School for Dramatic Education“, einer Organisation, die mit den Schauspielern des „Theaters in der Josefstadt“ verbunden war. Bereits ein Jahr später wurde Leon zum Leiter dieser Schule ernannt und gab ihr einen neuen Namen: „Das Max Reinhardt Seminar“.
1928 kam der Generaldirektor der „City Stages“ nach Wien. Askin sprach vor und wurde als Schauspieler am Düsseldorfer Schauspielhaus engagiert. Innerhalb eines Jahres spielte er zahlreiche interessante Rollen: Legrande in „Dantons Tod“, Georg Büchner in „Eduard II.“ und andere.
Bald darauf wechselte die Leitung am Düsseldorfer Theater, und die berühmte Louise Dumont wurde Direktorin. Ihr Mann, Gustav Lindemann, leitete das Repertoire des Theaters. Die Arbeit als Schauspieler und Regieassistent war sehr intensiv und aktiv. Askin übernahm mehrere interessante Partien in der „Three Penny Opera“, im „Nachtasyl“ und in „Die Affaire Dreyfuss“.
1932 verstarb Louise Dumont, und das Theater wurde wieder von den „City Stages“ übernommen. Askin setzte seine Arbeit fort. In dieser Zeit brachte ihm die Rolle des Klerks Pfeiffer in „Die Weber“ große Popularität. Zuschauer und Kritiker lobten die Leistung des Schauspielers sehr.
Die Karriere des talentierten Schauspielers entwickelte sich rasant, doch der Krieg machte alles zunichte. Die Nationalsozialisten begannen mit der Verfolgung von Juden, und dem Mann blieb nichts anderes übrig, als aus Deutschland zu fliehen. Am 11. März 1933 wurde er aus dem Theater entlassen, und am 15. April von SS-Männern verhaftet und schwer misshandelt.
Karriere im Ausland

Am Tag nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis reiste der Schauspieler nach Paris. Dort verbrachte er etwa fünf Jahre und gründete zusammen mit anderen emigrierten Künstlern ein erfolgreiches politisches Kabarett namens „Künstlerclub Paris-Vienne“.
1935 kehrte er für kurze Zeit nach Wien zurück, wo er ein neues Projekt namens „ABC“ ins Leben rief. In dieser Zeit wurde er eingeladen, als Schauspieler und Regisseur am Landestheater Niederösterreich in Linz zu arbeiten. Der Erfolg war jedoch nur von kurzer Dauer. 1938 musste Askin erneut nach Paris fliehen. Dort fand er eine Anstellung als Sekretär und Assistent des Direktors bei der Firma von Erwin Piscator. 1939 zog die Familie Piscator nach New York, während Leon in einem Internierungslager landete.
1940, nach seiner Freilassung, ging Askin nach New York. Die ersten Monate in Amerika waren sehr schwierig. Da er weder Geld noch Arbeit hatte, litt er an Depressionen. Doch das Schicksal war ihm wohlgesonnen. Piscator bot ihm an, Direktor des „Civic Theatre“ in Washington zu werden. Das erste Stück, das Askin dort inszenierte, war „The Gentle People“, das ein großer Erfolg wurde. 1941 stand die Premiere der nächsten Produktion, „Troilus and Cressida“, kurz bevor, doch das „Civic Theatre“ wurde geschlossen, und Leon Askin wurde Soldat in der amerikanischen Armee.
Während seines Dienstes schrieb er einen wöchentlichen Digest namens „The Orientation Digest“, der später zu einer der beliebtesten Militärpublikationen wurde. Für seine Arbeit erhielt er eine Belobigung vom Kriegsministerium.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Leon nach New York zurück. Dort gründete er die Theatertruppe „VMS“, die aus Schauspielern bestand, die in der US-Armee gedient hatten. Anschließend suchte er nach Arbeit als Regisseur am Broadway. Die erste Produktion, die er 1947 dem Broadway-Publikum präsentierte, war „Faust“. Darin spielte Albert Bassermann den Mephisto und Askin den Faust. Sein zweites Werk war „Der Kaufmann von Venedig“. Diese beiden Inszenierungen lenkten die Aufmerksamkeit des Publikums auf das deutsche Theater.
Die Eroberung Hollywoods und die Rückkehr nach Wien

Neben dem Theater eroberte Leon Askin auch die Filmwelt. 1952 lud ihn Maxwell Arnow ein, im Thriller „Assignment Paris“ mitzuspielen. Er spielte seine Rolle brillant, und der Film wurde von Kritikern und Zuschauern hoch gelobt. Daraufhin erhielt Askin Angebote zur Zusammenarbeit von den besten Regisseuren Hollywoods. So wirkte er in mehr als 60 Hollywood-Filmen mit und stand mit vielen berühmten Stars vor der Kamera.
1955 ließ sich Leon von seiner ersten Frau Mimi scheiden und heiratete Annelies Ehrlich. Wenige Tage nach der Hochzeit brach das Paar zu einer großen Reise auf. Während dieser Reise besuchten sie Salzburg und Wien, wo Askin Angebote für mehrere Filmrollen erhielt. In Hamburg spielte er die Rolle des Sir John Croft in „Mrs. Warrens Profession“. In Berlin trat er in den Stücken „Volpone“ und „Der grüne Kakadu“ auf.
1985 erhielt der Schauspieler ein Angebot von einer japanischen Filmgesellschaft, die Hauptrolle im Film „Deshima“ zu übernehmen, und er sagte zu. 1993 spielte Leon im Film „Occhio Pinocchio“ mit.
Im Jahr 1994 kehrte Askin nach Wien zurück, wo er seine Schauspielkarriere fortsetzte, indem er auf den Bühnen lokaler Theater spielte und in verschiedenen Filmen österreichischer Regisseure mitwirkte. Für seine Verdienste in der Welt des Theaters und des Kinos wurde Leon Askin mit einer Vielzahl renommierter Auszeichnungen geehrt.
Am 3. Juni 2005 verstarb der große Schauspieler.





