Der Name des Theaterschauspielers Oskar Werner ist weit über die Grenzen Wiens hinaus bekannt. Im Laufe seiner gesamten Schauspielkarriere lehnte der Mann 300 Drehbücher ab. Der Grund für all das war sein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein in der Kunst. Über das Leben und Schaffen dieses Mannes sprechen wir hier auf viennatrend.eu.
Kindheit und Jugend

Oskar wurde 1922 in Wien geboren. Der Junge hob sich von anderen Kindern durch seinen außergewöhnlich schönen Stimmklang ab. Als er 6 Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden, und seine Mutter verkraftete diese Situation nur sehr schwer und versuchte, sich das Leben zu nehmen.
Die Werners lebten in großer Armut, das Geld reichte kaum zum Überleben, und die Kinder sahen praktisch nie Süßigkeiten. Oskar zeigte Verständnis für die Situation und versuchte immer, Geld zu sparen. Um nichts für Verkehrsmittel ausgeben zu müssen, zog er es vor, überall zu Fuß zu gehen. Ihm gefiel es sehr, allein spazieren zu gehen und die Passanten zu beobachten.
Der Onkel des Jungen, Franz Zeltner, arbeitete bei den „Sascha-Film“ Studios und brachte immer Filmstreifenreste mit nach Hause. Das war eine wahre Freude für Oskar, denn er konnte sie stundenlang betrachten und seiner Fantasie freien Lauf lassen. Die Großmutter des Jungen verpasste keine einzige Vorstellung im örtlichen Theater. Manchmal nahm sie ihren Enkel mit, wo er die Spielpläne der Künstler studierte und ihr brillantes Spiel auf der Bühne bewunderte, aber aus Schüchternheit traute er sich nicht, um ein Autogramm zu bitten. Bald begann der Junge, sich für die Werke Shakespeares zu interessieren. Spät in der Nacht, um die Erwachsenen nicht zu wecken, nahm er ein Buch und las es unter der Bettdecke.
Im Jahr 1937 stand der junge Mann zum ersten Mal vor der Kamera. Im Film „Geld fällt vom Himmel“ bekam er die Rolle eines Mitarbeiters einer Werbeagentur.
1941 leistete Werner Arbeitsdienst in einem Lager. Eines Tages erhielt er ein Telegramm vom Direktor des „Burgtheaters“ mit einer Einladung zum Vorsprechen. Dem Jungen gelang es, ein paar Tage Urlaub zu erbitten, um sein Talent zu zeigen. Die Jury bewertete den Auftritt des jungen Mannes positiv, aber es gab ein Problem. Zu diesem Zeitpunkt war er erst 18 Jahre alt (die Volljährigkeit trat damals in Österreich mit 21 Jahren ein). Das bedeutete, dass er ohne seine Mutter keine Entscheidung treffen konnte. Die Frau erlaubte ihrem Sohn nicht, auf der Bühne aufzutreten, und unterzeichnete daher den Vertrag mit dem Theater nicht.
1943 wurde Werner zur Wehrmacht eingezogen, wo er in eine Sicherungskompanie kam. Trotz des straffen Zeitplans schaffte es der Junge, abends auf der Bühne des „Burgtheaters“ aufzutreten. Dort lernte er die Schauspielerin Elisabeth Kallina kennen, und bereits im Winter 1944 feierte das Paar Hochzeit.
Im Herbst stürzte während der Bombardierung des Wiener Arsenals eine zerstörte Mauer auf Oskar. Er erlitt eine Gehirnerschütterung und lag über zwei Monate im Krankenhaus. Als sich sein Gesundheitszustand besserte, kam der Befehl, an die Front zu gehen. Er entschloss sich jedoch zur Desertion, da er es nicht mit sich vereinbaren konnte, Menschen zu töten.
Film parallel zum Theater

Im Herbst 1944 wurde in der jungen Familie eine Tochter geboren, und sie begannen, sich in Baden zu verstecken, bevor sie in Elisabeths Wohnung zogen. Trotz der Gefahr arbeitete Werner bis 1949 am „Burgtheater“, wo er 14 Rollen spielte, die 180 Mal aufgeführt wurden. 1947 spielte er in der Verfilmung von Ernst Lothars Roman „Der Engel mit der Posaune“. Die Dreharbeiten fanden in Wien statt. In den Jahren 1948-1949 trat Oskar in dem Film „Heroische Symphonie“ auf, der vom Leben Beethovens erzählte. Übrigens wurde ihm viele Male angeboten, die Rollen großer Komponisten zu spielen, aber aus irgendeinem Grund kam immer etwas dazwischen.
„Die gestohlene Stadt“ war das nächste Projekt des Schauspielers, in dem er brillant einen Geiger spielte. Bald wurden die Filme, in denen Werner mitwirkte, weltweit sehr populär. Das Publikum sah sie mit großer Freude, und die Filmkritiker gaben positive Bewertungen ab. Es kam so weit, dass Oskar nach Hollywood zu den Dreharbeiten des Films „The Great Dictator“ eingeladen wurde. Jedoch wurde dem Schauspieler das versprochene Honorar nicht bezahlt.

Während seines Aufenthalts in Amerika erkannte Oskar, dass er seine Heimatstadt Wien vermisste, und machte sich bald mit dem Auto auf den Weg durch 11 Bundesstaaten nach Hause. Nach seiner Rückkehr in die Heimat spielte Werner am „Burgtheater“ die Rolle eines Verräters im Stück „Gesang im Feuerofen“. 1952 wirkte er in einem weiteren Werk von Büchner, „Dantons Tod“, mit. Doch dann, moralisch erschöpft von der harten Arbeit, beschloss er, das Theater zu verlassen und führte ein ganzes Jahr lang ein ausschweifendes Leben. Bald wurde dem Schauspieler eine Rolle im Film „Der letzte Akt“ angeboten. Die Dreharbeiten fanden auf dem zerstörten Flughafen Schwechat in Wien.
Im Jahr 1955 gönnte sich Oskar praktisch keine Pause; er probte täglich anstrengend für „Don Carlos“ am „Burgtheater“ und bereitete sich gleichzeitig auf die Dreharbeiten eines Films über das Leben Mozarts vor.
Die letzten Lebensjahre

1956 spielte Werner im Stück „Hamlet“ am Theater in der Josefstadt. Nach der Vorstellung wartete hinter der Bühne eine Schar von Bewunderern auf ihn, die applaudierten und um Autogramme baten. Die Karriere entwickelte sich rasant: hohe Gagen, Popularität – genau das, wonach der Schauspieler sein ganzes Leben lang gestrebt hatte. 1961 spielte Oskar bei den Bregenzer Festspielen die Hauptrolle im Stück „Orpheus“. Im selben Jahr löste er seinen Vertrag mit dem „Burgtheater“, und damit endete ihre Zusammenarbeit für immer.
Danach kehrte der Mann wieder zum Film zurück. 1964 spielte er in der Verfilmung des Romans „Ship of Fools“. Für die Rolle des Dr. Schumann gewann Werner den Golden Globe. 1974 erhielt Oskar die Rolle eines Wissenschaftlers, der seine Schwiegermutter mithilfe von Elektronik ermordet, in der Serie „Columbo“, in der Folge „Rückkehr“.
Am 15. Oktober 1984 fand im „Mozarteum“ in Salzburg der letzte Auftritt dieses großen Schauspielers statt. 23. Oktober 1984 verstarb er und hinterließ eine Vielzahl brillant gespielter Rollen und eine leuchtende Erinnerung in den Herzen seiner Bewunderer.





