Fritz Kreisler – der Virtuose Wiens, an dessen Händen die Geige „weinte“

Der Name Fritz Kreisler ist weltweit bekannt, denn in den 1930er-Jahren galt er als der beste Geiger. Darüber hinaus ist er der Schöpfer eines völlig neuen, einzigartigen Spielstils, der bis ins kleinste Detail nachgeahmt, studiert und analysiert wurde, schreibt viennatrend.eu.

Kindheit und Jugend

Fritz erblickte am 2. Februar 1875 in Wien das Licht der Welt. Sein Vater war Arzt und ein großer Musikliebhaber, der Geige spielen konnte. Die Familie veranstaltete oft musikalische Abende zu Hause, zu denen bekannte Komponisten und herausragende Persönlichkeiten Wiens eingeladen wurden.

Als das kleine Genie 4 Jahre alt wurde, begann sein Vater, ihm das Geigenspiel beizubringen. Ein Jahr später komponierte er sein erstes Streichquartett. Im Alter von 7 Jahren trat der Bub in das Wiener Konservatorium ein. Mit 9 Jahren schloss Kreisler das Konservatorium bereits mit Auszeichnung ab. 1888 debütierte Fritz in Boston; es war das erste ernsthafte Konzert, mit dem seine Karriere als Geiger begann.

Im Jahr 1889 unternahm der junge Musiker eine Tournee durch die USA. Trotz des großen Erfolgs bestand sein Vater darauf, dass sein Sohn eine umfassende humanistische Bildung erhalten sollte. Fritz widersprach nicht und trat ins Gymnasium ein. Lange überlegte er, welchen Weg er einschlagen sollte: den Beruf des Arztes oder den des Militärs, und zögerte, sich endgültig der künstlerischen Tätigkeit zu widmen. Doch die Liebe zur Musik siegte.

Entwicklung der musikalischen Karriere

Der Weg zum Ruhm war schwierig, doch Fritz konnte ihn meistern. Seine Popularität erlangte er 1899, als er nach Berlin zog und mit dem Philharmonischen Orchester auftrat. Dort feierte er große Erfolge. Publikum und Kritiker nahmen sein Schaffen positiv auf, und große Komponisten waren von seinem Talent begeistert. Man sprach von ihm als dem besten Geiger seiner Epoche.

Im Jahr 1900 wurde das Genie nach Amerika eingeladen, wo er sich erfolgreich präsentieren konnte. 1902 reiste der Geiger nach England und festigte mühelos seine Popularität in Europa. Von da an unternahm Kreisler zahlreiche Tourneen durch verschiedene Länder.

1905 schuf der Komponist einen Zyklus von Stücken für Violine mit dem Titel „Klassische Manuskripte“, wobei er seine Urheberschaft verbarg und sie als Transkriptionen ausgab. Erst 1935 gestand er, dass es seine eigenen Werke waren. Gleichzeitig veröffentlichte der Musiker seine Stilisierungen alter Wiener Walzer – „Liebesfreud“, „Liebesleid“, „Schön Rosmarin“.

1933 schuf er die Operette „Sissy“, deren Uraufführung in Wien stattfand. In dieser Zeit beschränkte sich das Repertoire des Komponisten auf Klassik und Romantik. 1939 zog Fritz nach New York, wo er weiterhin auftrat und seine Bearbeitungen anfertigte. Zu den beliebtesten gehören die Transkriptionen der Violinkonzerte von Paganini, Tschaikowsky und Schubert.

1941 ereignete sich ein Unglück: Der Musiker wurde von einem Auto angefahren, und er musste für ein ganzes Jahr auf Auftritte verzichten. 1947 stand er zum letzten Mal auf der Bühne.

Fritz war nicht nur ein talentiertes Genie, sondern auch ein gütiger Mensch mit einem großen Herzen. Den größten Teil seines verdienten Geldes spendete er für wohltätige Zwecke. Nach dem Ersten Weltkrieg kümmerte sich der Geiger um 43 Waisenkinder seiner Kameraden. Als er 1924 nach Berlin kam, lud er 60 Kinder aus armen Familien zu einer Weihnachtsfeier ein.

Fritz Kreisler verstarb im Jahr 1962. Die Nachricht von seinem Tod betrübte Musiker auf der ganzen Welt zutiefst. Die Erinnerung an den großen Künstler lebt für die Ewigkeit weiter.

Die Besonderheit seines Schaffens

Der Komponist schrieb 55 Werke und über 80 Transkriptionen. Wenn man die Musikkunst des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts analysiert, ist es schwer, einen Musiker zu finden, der Kreisler ebenbürtig wäre. Niemand sonst konnte seine Kompositionen so spielen wie er. Seine Interpretation zeichnete sich durch technische Makellosigkeit, Präzision, einen warmen Klang und einen lebendigen Rhythmus aus. Das Hauptmerkmal war seine Vibrato-Technik. Dieser große Mann hatte einen enormen Einfluss auf seine Zeitgenossen. In Kreislers Kunst dominierte die Verbindung der wienerischen und französischen Musikkulturen.

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