Die Geschichte des Kinos in Wien ist sehr interessant. Sie beginnt um das Jahr 1900. Genau in dieser Zeit begann sich die Filmindustrie aktiv zu entwickeln. Bis Ende 1920 gab es in der Stadt mehr als 100 Kinos, schreibt viennatrend.eu.
Womit alles begann?

Der Beginn des Kinos in Österreich ist untrennbar mit dem Physiker und Zauberkünstler Ludwig Döbler verbunden. Von der Vorführung optischer Bilder erfuhr er in England. Im Jänner 1874 präsentierte Döbler erstmals „lebende, bewegte Bilder“ im Theater in der Josefstadt. Ohne den Einsatz von Mechanik, nur mithilfe von Licht, zeigte er dem Publikum Bilder, die mit einer „Laterna magica“ (Zauberlaterne) erzeugt wurden. Es vergingen jedoch mehr als 20 Jahre, bis die Brüder Auguste und Louis Lumière aus Lyon die erste öffentliche Filmvorführung im „Grand Café“ am Boulevard des Capucines in Paris organisierten.
Im Jahr 1896 führte Monsieur Eugène Dupont, ein bevollmächtigter Vertreter der Brüder Lumière, Filme mit dem Cinématographe Lumière im Projektionssaal der Wiener „k.k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren“ vor.
Kaiser Franz Joseph I. besuchte eine der Vorführungen. Das Programm umfasste kurze Szenen mit Titeln wie „Fällen eines Baumes“, „Taubenfüttern“, „Erschießung eines Spions im türkisch-griechischen Krieg“ und „Ein unheimlicher Traum“. Solche Filme dauerten nur wenige Minuten.
Die ersten Kurzfilme, die auf österreichischem Boden gedreht wurden, waren: „Ausfahrt der Fiaker“, „Die Deutschmeisterkapelle“, „Das Riesenrad“, „Der Stephansdom“ und andere. Seither tauchten Kinematographen vor allem auf Jahrmärkten auf. Im Jahr 1900 wurden die ersten Räumlichkeiten für Kinos bereitgestellt, die sich in verschiedenen Stadtteilen befanden, etwa im Prater und in Mariahilf, dem 6. Bezirk.
Innerhalb weniger Jahre eröffneten in Wien viele Kinos. Im Jahr 1909 gab es bereits 74 und bis 1915 waren es 150. Ab 1914 wurde das „Hores-Fey-Theater“ ausschließlich als Kino genutzt und in „Kohlmarktkino“ umbenannt.
Die Ära des Kinematographen

Das Kino wurde in das Programm aller Unterhaltungseinrichtungen aufgenommen. So wurde es zu einem festen Bestandteil des Repertoires der Varietétheater. 1907 wurde in der Krugerstraße 5 das Wiener Bioscop eröffnet, das später zum „Krügerkino“ wurde. Es zeichnete sich durch eine einzigartige Innenausstattung aus und zeigte hochwertige Filme.
Das Kino Schöffer-Haushofer in der Mariahilfer Straße, gegründet 1906, verfügte bereits über einen Balkon. Im Jahr 1909 wurde das Gebäude der „Urania“ errichtet – ein multifunktionaler Bau, der neben einem Kino auch eine Sternwarte und eine Bildungseinrichtung beherbergte.
Der Wiener Prater kann auf eine lange Tradition von Vorführungen mit der „Laterna magica“, Panoramen, Dioramen und Ähnlichem zurückblicken.
Die neue Technologie fand in Wien einen fruchtbaren Boden für ihre Entwicklung. Im Zeitraum von 1904 bis 1905 wurden in verschiedenen Gebäuden 5 Kinosäle eingerichtet, die sich zu eigenständigen Kinos entwickelten. Von 1911 bis 1914 wurden in Wien 102 neue Kinos errichtet.
Teure Tonfilme

Im Jahr 1912 wurden die ersten Kinogesetze erlassen. Ab diesem Zeitpunkt war für die Eröffnung eines Kinos eine Lizenz erforderlich. Im selben Jahr fanden in Wien der Internationale Kinematographenkongress und die Internationale Kinoausstellung statt. Die ersten Tonfilme wurden in der Stadt bereits 1913 mit Edisons Kinetophon gezeigt. Aufgrund der hohen Kosten konnten sich Tonfilme mit diesem Gerät jedoch nicht lange durchsetzen.
Die Ära des Stummfilms dauerte bis 1933. Die Filme wurden von Orchestern oder Pianisten musikalisch begleitet.
1910 gründete Alexander Joseph „Sascha“ Graf Kolowrat-Krakowsky die Filmfabrik „Sascha-Film“ und ein Filmlabor in Pfraumberg. 1912 zog Alexander nach Wien und gründete hier 1913 die „Sascha-Filmfabrik“. Eines seiner ersten Werke war der Film „Die Gewinnung des Erzes am steirischen Erzberg in Eisenerz“. 1915 übernahm er die Leitung der Filmabteilung des k.u.k. Kriegspressequartiers in Wien und war auch an der Produktion von Propagandafilmen während des Ersten Weltkriegs beteiligt.
Kolowrat-Krakowsky entdeckte zahlreiche Schauspieler für den Film, darunter Willi Forst und Marlene Dietrich. Zu den Höhepunkten seines Schaffens zählten monumentale Stummfilme. 1916 errichtete er ein groß angelegtes Filmstudio. Die Filmfabrik des berühmtesten Pioniers der Wiener Kinogeschichte existierte bis 1933.
Der Erste Weltkrieg markierte einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte des Wiener Kinos. In dieser Zeit begann das Kino erstmals, Filme mit staatlicher Propaganda zu zeigen. Es ist bemerkenswert, dass die Jahre 1914-1918 für die Branche die profitabelsten waren.
Nach Kriegsende und der Normalisierung der Lage eröffneten in Wien noch mehr Kinos.
Nach einiger Zeit wurden große Theater und Varietés in Filmpaläste umgewandelt. Beispielsweise wurde das „Apollotheater“ zu einem Kino umgebaut und in „Scala“ umbenannt.
Im Jahr 1927 gab es in Wien insgesamt rund 170 Kinos mit einer Kapazität von 67.000 Plätzen.
Im Jahr 1930 begann in Wien die Ära des Tonfilms. Die meisten Stummfilmkinos wurden umgerüstet. Zu den ersten Kinos, die Tonfilme zeigten, gehörten das „Ufa Ton-Kino“, das „Burgkino“ und das „Opernkino“. Ab 1933 wurden in Wien keine Stummfilme mehr gezeigt.





