Theatergeschichte Wiens

Viele sagen, wenn es das Theater nicht gäbe, hätten es die Wiener erfunden! Die Geschichte des Theaterlebens in der österreichischen Hauptstadt ist über dreihundert Jahre alt. In dieser Zeit hat Wien eine Reihe von Veränderungen durchgemacht, die den Grundstein für die aufrichtige Liebe der Wiener zur Theaterkunst legten, schreibt viennatrend.eu.

Zuerst die Genehmigung

Nach Analyse zahlreicher Literatur und Informationen aus verschiedensten Quellen lässt sich sagen, dass das Theater für die Wiener ein wahrer Stolz ist. Die Wurzeln dieser Theaterliebe reichen Jahrhunderte zurück, beginnend bei alten Ritualen und Spielen. Ab dem 18. Jahrhundert wurde das Theater zu einem festen Bestandteil der Kultur verschiedener Schichten der österreichischen Gesellschaft, die gerne feierte. Zu diesem Zweck veranstalteten die Menschen Feste, Bälle und Maskeraden. Für viele war das Theater ein Vergnügen und eine Unterhaltung.

Im Jahr 1741 wurden Theateraufführungen in Österreich offiziell erlaubt. Kaiserin Maria Theresia kann als Gründerin des Theaters bezeichnet werden, denn dank ihr begann das Theaterleben in der Stadt. Als ihr Vater Karl starb, wurde eine Trauerzeit ausgerufen, die sie mit den Worten unterbrach: „In Wien muss es Vorstellungen geben“.

Vor Beginn der Herrschaft Maria Theresias fanden Theateraufführungen meist in den Palästen und Parks der kaiserlichen Residenz statt. Das erste separate Gebäude für Opern, Ballette und Komödien entstand dank eines Herrn Selliers, der um die Erlaubnis bat, ein Ballspielhaus im Zentrum Wiens, unweit der kaiserlichen Residenz Hofburg, zu nutzen.

Als Selliers bei Maria Theresia vorsprach, versprach er ihr Aufführungen verschiedenster Art, Darbietungen, Opern und Komödien, die der Aufmerksamkeit ihres Hofes würdig wären. Die Kaiserin gab ihre Erlaubnis, woraufhin mit der Instandsetzung des Gebäudes begonnen wurde.

Die Gestaltung des elitären Interieurs und die Dekoration der Bühne erwiesen sich als sehr kostspielig. Das Theater erfüllte jedoch nicht die Erwartungen von Selliers und wurde bald wieder geschlossen.

Der nächste Enthusiast, der scheiterte, war Graf Durazzo. Um die Idee eines städtischen Theaters voranzutreiben und die Menschen dafür zu begeistern, stellte Maria Theresia finanzielle Mittel aus der Staatskasse zur Verfügung und ernannte einen ihrer Hofbeamten zum Verantwortlichen für das Hoftheater.

An das Hoftheater wurden bestimmte Anforderungen gestellt, und zwar: Auf der Bühne des Kaiserlichen Theaters war es verboten, zu fluchen oder Grimassen zu schneiden. Auch die Künstler hatten sich angemessen zu verhalten und streng klassisch zu spielen. Ihre Bewegungen mussten anmutig sein und ihre Posen allen Ansprüchen der kapriziösen High Society genügen.

Während der Herrschaft Maria Theresias erlebte das Haus einen häufigen Wechsel der Leitung und der nationalen Ensembles. Künstler aus Italien hielten sich nicht lange in Wien. Den französischen Humor verstanden die Wiener nicht. Im Jahr 1765 geriet das Theater in eine Krise; in diesem Jahr starb Theresias Ehemann, und es wurde eine Trauerzeit ausgerufen. Das Theater wurde geschlossen, und den Künstlern wurde jegliches Auftreten untersagt. Zuerst verließen die italienischen, dann die französischen Truppen Wien.

Das Theater unter der Herrschaft Josephs II.

Ende 1870 произошли auf Wunsch des Thronfolgers Maria Theresias wichtige Änderungen im Repertoire des Hoftheaters. Kaiser Joseph II. reformierte alle Bereiche des kaiserlichen Lebens. Er gründete das erste Deutsche Nationaltheater mit dem Ziel, das Volk aufzuklären und eine moralische Institution zu schaffen, die allen Wienern die Normen der klassischen Ästhetik vermitteln sollte.

Das Theater wurde zu einem Instrument der Politik und zu einer Schule für das Volk. War das Theater unter Theresia nur dem Adel zugänglich, so hatten unter Joseph II. auch die breiten Massen das Recht, es zu besuchen.

Es ging so weit, dass der Kaiser persönlich die Spielpläne zusammenstellte und die Rollen besetzte. Joseph II. versuchte, das Drama von Friedrich Schiller in einer einfachen und zugänglichen Weise umzuschreiben, und verbot die Inszenierung der Schlussszene von William Shakespeares Tragödie. Wenn der Kaiser Wien verlassen musste, schickte er Boten, die dem Theater täglich seine schriftlichen Anweisungen überbrachten.

Bald darauf wurde es Staatskanzler Fürst Kaunitz gestattet, sich um die Angelegenheiten des Theaters zu kümmern. Er stellte seine eigenen Anforderungen an die Auswahl der Künstler für das Hoftheater. Für Kaunitz war es wichtig, dass alle Schauspieler von kleiner Statur und schlanker Figur waren, regelmäßige Gesichtszüge, große Augen und einen gleichmäßigen Gang hatten.

Im Jahr 1786 wurde in Wien auf Befehl Josephs II. eine Porträtgalerie der Künstler des Hoftheaters geschaffen.

Die Theaterkunst im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert änderte sich die Schauspieltechnik in der Theaterkunst. An die Stelle des alten Stils trat ein lockerer Stil besonderer Wiener Kunstfertigkeit und Anmut. Das Theater wurde zu einem wichtigen Teil des städtischen Lebens. Die Menschen begannen, die Schauspieler zu respektieren, und viele Bürger machten es sich zur Ehrensache, bei dem Schneider einzukaufen, der ihren Lieblingsschauspieler einkleidete.

In dieser Zeit wurde beschlossen, das alte „Burgtheater“ abzureißen. Als diese Nachricht bekannt wurde, besuchten viele Menschen die letzte Vorstellung. Kaum war der Vorhang gefallen, rissen die Zuschauer die Bühnenbretter an sich. Jeder wollte zumindest ein kleines Stück des historischen Holzes behalten, das von Beethoven und Mozart berührt worden war.

Das neue Gebäude des Kaiserlichen Theaters („Burgtheater“) wurde an der berühmten Ringstraße errichtet. Am Bau dieses Kunsttempels waren die besten Künstler und Bildhauer beteiligt.

Die heutigen Wiener haben ihre besondere Beziehung zum Theater bewahrt. Jeder gebürtige Wiener besucht das Theater mindestens ein paar Mal im Jahr.

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